Station 7: Westwand
Wenn Sie sich nun auf die Bank setzen und geradeaus schauen, so sehen sie zunächst nur: eine Mauer. Eine Mauer, geformt aus verschiedenen Steinen unterschiedlicher Größe, verbunden mit Mörtel, dazu zahlreiche Vertiefungen und Löcher, die an Einschuss-Stellen erinnern.
Die flachen Backsteine stammen tatsächlich noch aus der Römerzeit und haben die Jahrhunderte bis heute überdauert. Auch die Löcher stammen aus jeder Zeit, als vor das rohe Mauerwerk Platten mit reichhaltigen Mosaik-Verzierungen gehängt wurden, die an der Mauer mit Eisenbeschlägen befestigt wurden.
Wenn man genau hinschaut, erkennt man auch die unterschiedlichen Färbungen der Steine und des Mörtels, immer wieder wurde die Mauer offensichtlich beschädigt, wurde ausgebessert und repariert, immer wieder wurde etwas Altes entfernt oder etwas Neues hinzugefügt. Eins ist klar: diese Mauer hat schon viel erlebt.
Heute dient sie uns als Projektionsfläche. Auf ihren Steinen erscheint helles, strahlendes Licht in leuchtender Farbe.
Ob sich die Römer das schon hätten vorstellen können? Ob jemals irgendjemand daran gedacht hat, dass diese Mauer in ihrer über tausendjährigen Geschichte zu einem „Lichtort“ werden könnte? Und zwar nicht, weil Flammen das steinerne Werk erhellen, entzündet durch feindliche Angriffe, Bomben und Kanonen – sondern ein Ort, an dem ein friedliches Spektakel stattfindet, an dem die Faszination von Licht und Leuchtkraft gefeiert wird?
Wenn diese altehrwürdige Mauer ein Ort des Lichts werden kann – können dann nicht noch ganz andere Orte in hellem Licht erstrahlen?
Welche Orte können für uns im übertragenen Sinne „Lichtorte“ werden, Orte, an denen man alles Mögliche suchen würde, aber nicht unbedingt etwas Helles, Freundliches, Strahlendes?
Wo ist Ihnen schon mal ein Licht begegnet, wo Sie es nicht erwartet haben?
