Drei künstlerische Blicke auf Einsamkeit und Gemeinschaft

  • Nr. 56/2026
  • 02.09.2026

Düsseldorf. Zwei Jahre nach der Kunstausstellung zum Thema „Apokalypse“ startet die Evangelische Kirche im Rheinland mit einer neuen Ausstellungsreihe in den Herbst. Das Projekt „Einsam. Gemeinsam. Mut zum Sein.“ bietet drei Künstlerinnen in Kirchen in Saarbrücken, Düsseldorf und Essen den Raum zur Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft. Auftakt ist am 19. September in Saarbrücken.

„Einsamkeit und Gemeinschaft gehören zu den grundlegenden Erfahrungen des Menschseins. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Verunsicherung stellt sich die Frage neu, wie wir miteinander leben wollen – und woher wir den Mut zum Sein nehmen“, schreibt Dr. Frank Vogelsang, Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland, in seinem Vorwort zum Ausstellungskatalog. „Die biblische Tradition versteht den Menschen als ein auf Beziehung angelegtes Wesen. Menschen leben nicht isoliert, sondern in Verbindung mit anderen – getragen von Gemeinschaft, Verantwortung und gegenseitiger Wahrnehmung.“ Hinter den Werken der drei eingeladenen Künstlerinnen Gertrud Riethmüller, Patrizia Casagranda und Diana Ramaekers stehe letztlich die grundlegende Frage: Was ist der Mensch?

19. September bis 1. November: Gertrud Riethmüller in Saarbrücken

In der Johanneskirche in Saarbrücken zeigt die Künstlerin Gertrud Riethmüller ihre Installation „Zwischen Himmel und Erde“. Im Wechselspiel von Lehm, Seil und Licht entsteht eine Raumkomposition, die Einsamkeit nicht allein als Mangel begreift, sondern auch als möglichen Ausgangspunkt für Wandel, Beziehung und neue Formen von Gemeinschaft.

Gertrud Riethmüller lebt und arbeitet im Saarland. Seit den 1990er Jahren entwickelt sie Installationen, Performances, Video- und Soundarbeiten, die häufig ortsbezogen entstehen und sich mit Erinnerung, Materialität, gesellschaftlichen Prozessen und poetischen Bildräumen auseinandersetzen. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Bad Tölzer Kunstpreis, das Stipendium des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf sowie 2023 den Rheinischen Kunstpreis. Die Vernissage erfolgt am 19. September um 16 Uhr, die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr.

25. September bis 8. November: Patrizia Casagranda in Düsseldorf

In der Johanneskirche in Düsseldorf stellt Patrizia Casagranda unter dem Titel „Em­-brace your Power“ Mädchen und Frauen ins Zentrum – Gesichter aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten, verbunden durch eine stille, universelle Sprache von Würde, Hoffnung und Stärke. So entstehen Bilder von Freundschaft, Gemeinschaft und einem unsichtbaren Netzwerk weiblicher Verbundenheit.

Patrizia Casagranda ist eine deutsch-italienische Künstlerin und lebt und arbeitet in Krefeld. International bekannt wurde sie durch ihre expressive Verbindung von Collage, Malerei, Street Art und Typografie. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche internationale Preise und Auszeichnungen, darunter mehrfach den Lorenzo il Magnifico Award der Florence Biennale sowie den International Art Prize Michelangelo. Die Vernissage wird am 25. September um 19 Uhr gefeiert, geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis samstags von 12 bis 18 Uhr.

26. September bis 17. Oktober: Diana Ramaekers in Essen

Für die Marktkirche Essen hat Diana Ramaekers mit „Revealing the Light“ eine Installation entwickelt, die sich mit einem Phänomen auseinandersetzt, das zunehmend unsere Wahrnehmung der Welt verändert: der Lichtverschmutzung. Echte Nacht ist in vielen Teilen Europas kaum noch sichtbar. Damit verlieren wir nicht nur die Sicht auf das Universum, sondern auch ein Stück unserer Verbindung zur Natur und zu den elementaren Erfahrungen menschlicher Existenz.

Die niederländische Lichtkünstlerin Diana Ramaekers lebt und arbeitet in Kerkrade. Seit mehr als drei Jahrzehnten beschäftigt sie sich mit der Beziehung zwischen Licht, Raum und Wahrnehmung. Werke von ihr wurden beim GLOW Lichtfestival Eindhoven, im Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna, beim Festival INTERFERENCE in Tunis sowie in China und Japan gezeigt. 2002 wurde sie mit dem Prix de Rome für Film und Video an der Rijksakademie Amsterdam ausgezeichnet. Die Vernissage ist am 26. September um 19 Uhr. Zu sehen ist die Ausstellung danach montags bis samstags von 12.30 bis 18 Uhr.

  • Ekkehard Rüger
  • EKiR