Vor 120 Jahren, am 4. Februar 1906 wurde Dietrich Bonhoeffer geboren. Er ist Namenspatron unseres Gemeindezentrums in der Nordallee. Der Sohn aus großbürgerlichem Hause entschied sich überraschend für das Theologiestudium. Er positionierte sich früh und entschieden gegen den Nationalsozialismus und leitete ein Predigerseminar der bekennenden Kirche, bis es durch die Behörden geschlossen wurde, er selbst wurde mit Rede- und Publikationsverbot belegt. Er schlug die Möglichkeit aus, sich der Verfolgung durch eine Lehrtätigkeit in den USA zu entziehen, und schloss sich stattdessen dem militärischen Widerstand gegen Hitler an. Er wurde verhaftet und eingesperrt. Bis heute berühren die Zeilen aus seinem Gedicht und heutigem Kirchenlied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Mit einem Text von Reinhard Ellsel zu diesem Kirchenlied wollen wir anlässlich seines 120. Geburtstages an ihn erinnern.
Von guten Mächten
Dietrich Bonhoeffer dichtete das Lieblingskirchenlied im EG
Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr. (EG 65,1)
Dietrich Bonhoeffer (4.2.1906–9.4.1945) hat diesen Text in der Adventszeit 1944 geschrieben – im Kellergefängnis der Gestapo-Zentrale in Berlin. Der inhaftierte junge Pastor, der sich am Widerstand gegen Adolf Hitler beteiligt hatte, musste täglich mit seiner Hinrichtung rechnen.
Vor diesem Hintergrund gelesen, spricht das siebenstrophige Gedicht eindrücklich von unserem Glauben, von unserer Liebe und Hoffnung. Bonhoeffer hat es am 19.12.1944 seinem Brief an seine Verlobte Maria von Wedemeyer (1924–1977) beigelegt, als einen vielleicht letzten Gruß an sie und seine Eltern zu Weihnachten und zum neuen Jahr.
In weiten Teilen ist es ein Gebet, in dem der Inhaftierte seine schlimme Situation vor Gott bedenkt. Das Gedicht ist öfter vertont worden. Besonders mit der Melodie von Siegfried Fietz (*1946), der die letzte Gedichtstrophe zum Refrain gemacht hat, ist das Lied äußerst beliebt geworden: zum Jahreswechsel, bei Beerdigungen und überhaupt immer, wenn man an der Schwelle zu Neuem steht.
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
(EG 65,7 / Refrain in EG-Anhängen)
Text: Reinhard Ellsel
Foto: epd bild
